Gedanken zum Wochenspruch 16. August 2020

10. Sonntag nach Trinitatis
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10. Sonntag nach Trinitatis

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! 
Psalm 33,12

Es ist schon einige Wochen her, da haben mein Mann und ich den alten jüdischen Friedhof am Rande von Zeckern besucht. Er gilt als einer der größten und ältesten Friedhöfe Bayerns. Der älteste Stein stammt aus dem 14. Jahrhundert, der jüngste ist aus dem Jahr 1938. In der Nähe des Eingangs erinnert ein Gedenkstein an ehemalige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Adelsdorf, die in der NS-Zeit ermordet wurden. - Ein schattiger und ruhiger Ort, der zum Verweilen und Nachdenken einlädt. So manches Leben der Menschen, die hier begraben wurden,  wird durch die Symbole und die Inschriften ein wenig anschaulicher. Gerne würde ich mehr wissen, über ihren Alltag, ihre Gedanken, das, was sie mit ihrem Glauben erfahren haben, hier in dieser Region, in der ich im Jahr 2020 als evangelische Pfarrerin tätig sein darf.

Am 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest wird in unseren Kirchen der Israelsonntag begangen. Das Gemeinsame, das Verbindende steht im Mittelpunkt des Nachdenkens. Und dabei ist wichtig, dass wir Christen die jüngeren Geschwister sind und darum auch von unseren älteren Geschwistern, den Juden, lernen dürfen: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Psalm 33,12), heißt es im Wochenspruch.  Die Zusage des Psalms, wie könnte es im Alten Testament anders sein, gilt zunächst Israel. Gott hat sich ein Volk zum Erbe ausgesucht. Aber wir als jüngere Geschwister sind mit eingeladen, unter diesen ausgebreiteten Mantel der Liebe Gottes zu schlüpfen. Wir haben Anteil an diesem Erbe. Wir als die jüngeren Geschwister, die vereint mit den älteren Geschwistern in Gottes Bund leben dürfen.

Bei meinem Gang über den jüdischen Friedhof in Zeckern fühle ich mich den jüdischen Schwestern und Brüdern sehr verbunden. Beim Hinausgehen fällt mein Blick auf den Gedenkstein. Es darf nie wieder dazu kommen, dass wir vergessen, was uns verbindet.

Ihnen allen eine hoffnungsvolle und  segensreiche Woche!

Ihre Pfarrerin Heike-Andrea Brunner-Wild