Gedanken für die Woche

20. Sonntag nach Trinitatis
Bildrechte: beim Autor

Gedanken zum Wochenspruch des 20. Sonntag nach Trinitatis


Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)


Am kommenden Samstag, dem 31. Oktober 2020 feiern wir wieder den Reformationstag – nicht ganz so groß wie im Reformationsgedenkjahr 2017, aber zumindest mit einem Gottesdienst abends um 19.00 Uhr in der Heilandskirche. Was bleibt von Martin Luther? Mehr als der Thesenanschlag von Wittenberg vor 500 Jahren, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist? Eine niedliche Playmobilfigur, eingereiht neben den Nachschlagewerken über Ritterburgen und Schlösser?


„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“, so lauten die zentralen Sätze einer der bekanntesten Schriften von Martin Luther mit dem Titel „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Kurz und knapp formuliert Luther darin die Grundhaltung eines Christen: Im Vertrauen auf das Wort Gottes und geborgen in seiner Liebe der Welt in christlicher Freiheit zu begegnen und dabei den Nächsten nie aus dem Blick zu verlieren. Liebe üben und demütig sein. Denn Liebe beginnt damit, sich in den anderen hineinzuversetzen, sich nicht zu überheben. „Knecht sein“ bedeutet, von mir nicht größer und besser zu denken als von den anderen. Demut, Mut zum Dienen kommt aus dem tiefen Respekt vor dem anderen und ist Mut zur Menschlichkeit und damit Mut, menschliche Grenzen einzugestehen. Das Wort „Demut“ mag in unserem Sprachgebrauch verloren gegangen sein, nicht jedoch der in ihm verborgene Sinn. Wir lernen gerade diese Bescheidenheit und den Respekt vor Mensch und Umwelt neu in unserer Zeit.


Ihnen allen eine gesegnete und hoffnungsvolle Woche!

Ihre Pfarrerin Heike-Andrea Brunner-Wild