An(ge)dacht

„Weihnachten – dem Geheimnis auf der Spur“.

Das ist der Titel unserer neuen Kunstausstellung im Franziskushaus, die uns in der Adventszeit mit Bildern der Malerin Beate Heinen einlädt, uns selber auf die Spurensuche zu begeben. Wie kann es für uns persönlich Weihnachten werden? Wie kann Weihnachten etwas in unserem Leben und in unserer Welt verändern?

Für viele Menschen ist Weihnachten und die Weihnachtszeit eine hektische und stressige Zeit, für manche sogar eine schmerzvolle und deprimierende Zeit. Manche versuchen Weihnachten zu verdrängen oder davor in ferne Länder zu entfliehen. Es sind schmerzvolle Erinnerungen, komplizierte Familienverhältnisse, Einsamkeit und Enttäuschung und die widersprüchliche Realität unserer Welt zwischen Krieg, Terror, Katastrophen, Hungersnöten und dem Fest der Liebe und des Friedens, die es uns manchmal schwer machen, das Weihnachtsfest wirklich zu feiern.

Dabei ist Weihnachten gerade nicht das Fest der heilen Welt, sondern das Fest der Menschwerdung Gottes, der in unsere un-heile Welt hineinkommt und gerade in der Dunkelheit und  in dem Leid der Welt sein Licht neu anzündet. Dieses Geheimnis hat die Malerin Beate Heinen seit über 40 Jahren in ihren Weihnachtsbildern versucht auszudrücken. Jedes Jahr malt sie ein aktuelles Bild, in dem wir entdecken können, dass Gott heute noch in unsere Welt kommt und gerade in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation - auch und gerade in mitten von Leid und Not - in dem kleinen Jesus Kind zu finden ist.

Im Titelbild der Ausstellung „Alle unter seinem Stern“ hat Beate Heinen das Thema Inklusion aufgenommen. Gottes grenzenlose Liebe leuchtet in dem Jesus Kind mit seinen Eltern in der Mitte des Bildes auf. Das Jesus Kind hat seine Arme weit geöffnet und scheint die Menschen am Rand einzuladen und zu umfangen. Gottes Liebe zieht alle vom Rand in die Mitte, es gibt keine Ausgrenzung, alle gehören dazu. Gott liebt uns, so wie wir sind ohne Unterschiede.  Unser Miteinander steht unter Gottes gutem Stern. Da ist Platz für Jung und Alt, für Menschen mit Handicap und ohne, für Menschen verschiedener Hautfarbe und Nationalität. Weihnachten ist „die Nacht des grenzenlosen Eintretens Gottes in unser Menschsein“ (Br. U. Schmitz). In einer zerrissenen Welt, in der es immer mehr Spaltung und Unfrieden gibt, erzählt dieses Bild von der Aktualität der Weihnachtsbotschaft, von dieser grenzenlosen und bedingungslosen Liebe, die allen Menschen gilt, die verbindet und Grenzen überwindet.

Begeben Sie sich auf Spurensuche und entdecken Sie dieses Geheimnis von Weihnachten neu! Dann erfahren wir diese Liebe Gottes in dem Jesus Kind, gerade auch, wo wir verletzt und enttäuscht sind, oder resigniert und gleichgültig geworden sind. Nehmen Sie sich doch im Advent Zeit, dieses Geheimnis neu zu suchen, zu entdecken und zu meditieren, z.B.mit Hilfe der Bilder in unserer Ausstellung.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihre Ulrike Lorentz, Pfarrerin

Bild: Beate Heinen: 2015 © ars liturgica, Klosterverlag Maria Laach, www.klosterverlag-maria-laach.de