Abschied von Pfarrerehepaar Lorentz

Abschied
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Nach über 16 Jahren Dienst in der Kirchengemeinde Hemhofen müssen wir uns von Ihnen verabschieden. Zum 15. Februar 2021 werden wir zwei Pfarrstellen in der Kirchengemeinde Holzkirchen, 30 km südlich von München übernehmen. Unsere Kinder sind uns bereits nach Oberbayern vorausgezogen. Aljoscha studiert seit November in München Medizin und Amelie ist zu Beginn dieses Jahres in eine therapeutische Wohngruppe in Berchtesgaden eingezogen. 
Für uns gehen damit 16 erfüllte Jahre zu Ende, die so reich waren an Begegnungen, Erlebnissen, an intensiver Gemeinschaft und Zusammenarbeit, dass wir es gar nicht mehr überblicken und hier zusammenfassen können. Dennoch ein Versuch:
Das kirchliche Engagement für eine gute Bildung und Betreuung in unserem Ev. Montessori Kinderhaus lag mir, Ulrike Lorentz besonders am Herzen. Es waren vielleicht die kostbarsten Momente, den Krippen- und Kindergartenkindern am Anfang ihres Lebens etwas von Gottes Liebe zu erzählen und zu zeigen. Und umgekehrt durch ihre Offenheit, Neugier und Fragen reich beschenkt zu werden. Ein großer Schwerpunkt war für mich in diesen 16 Jahren die Vernetzung des Kinderhauses mit der Kirchengemeinde durch die vielfältige und immer noch weiter waschsende Familienarbeit. Es hat großen Spaß gemacht mit so vielen engagierten und kreativen Ehrenamtlichen zusammenzuarbeiten! Ich bin davon überzeugt, dass eine lebendige Familienarbeit für die Zukunft jeder Kirchengemeinde, vor allem aber für die Weitergabe des christlichen Glaubens von großer Bedeutung ist, da christliche Werte, Traditionen und Glaubenspraxis immer weniger in den Familien vermittelt werden. Gerne denke ich auch an die vielen ökumenischen Projekte und Gottesdienste zurück, sowie an das „Café Miteinander“ zur Integration der geflüchteten Familien in Kooperation mit der Gemeinde Röttenbach. Bereichernd waren auch die vielen Begegnungen mit Künstlern und Musikern bei Ausstellungen und Konzerten oder beim gemeinsamen Musizieren. 
Neben dem Religionsunterricht an der Grund- und Mittelschule in Röttenbach war ich, Matthias Lorentz, für die Konfirmandenarbeit zuständig. Ich erinnere mich gerne an die vielen Übernachtungen im Franziskushaus und die Jugendgottesdienste mit verschiedenen Bandbesetzungen. In die Jugendarbeit hätte ich gerne mehr investiert. Ich habe versucht, Gottesdienste und Predigten ehrlich, herausfordernd und zugleich seelsorgerlich zu gestalten. Toll war die Gemeinschaft, die ich durch meine drei „Ms“ erfahren durfte: Mediation, Männerarbeit und Musik. Meditation: Im Schweigen sitzen, ohne zu reflektieren. Bewusst im Körper und im Atmen zu sein, das hat unsere Ruhe und Gelassenheit für den Alltag gestärkt. „Du (Gott) bist da und wir sind da.“ „Du (Gott) in mir, ich in dir.“ Mannomann: Die Mischung aus Aktionen, gemeinsamen Wochenenden, Gesprächen, Alkohol … hat es wohl ausgemacht. Musik: Mit Gitarre oder E-Bass in den verschiedenen Jugendgottesdienst-Bands, der Mannomann-Band und dem monatlichen Jammen, freiem spontanem Musizieren aus dem Augenblick heraus. Besonders wichtig war mir stets: theologisch aufgeklärtes, ehrliches und mündiges Christsein zu fördern und mit anderen persönlich und auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen. 
Gerne hätten wir noch mehr voran gebracht, neue Wege in der Gemeindearbeit und modernere Gottesdienstformen ausprobiert, sowie manche Prozesse in der Gemeindeentwicklung angestoßen, doch hier ist unsere Innovationsfreude an manche (Orts-) Grenze gestoßen. 
Was ist das schönste Erlebnis in den 16 Jahren, werden wir immer wieder gefragt. Das schönste waren nicht irgendwelche Feste, Jubiläen und Events, sondern die vielen Menschen, die wir über diese lange Zeit begleiten durften, am Anfang ihres Lebens über die Taufe bis zur Konfirmation, oder in der Mitte ihres Lebens, in Krisenzeiten, oder am Ende des Lebens bis hin zur Sterbebegleitung. Es sind die kostbaren Momente in Gesprächen, in Begegnungen, im Gebet, im Schweigen, im Gottesdienst, beim Feiern, gemeinsam Lachen und Weinen, wo wir gemeinsam gespürt haben: da ist Gott dabei! Leben miteinander zu teilen, war uns wichtig: etwa in den Seniorenkreisen und anderen Gemeindegruppen, bei Familienfreizeiten und Gemeindereisen. Da erlebten wir die „Gemeinschaft der Heiligen“ – mehr als in manchen Gottesdiensten.
Vieles durften wir mit Gottes Hilfe schaffen und bewegen, aber manches haben wir auch nicht geschafft, sind manchen Anliegen und Menschen nicht gerecht geworden. Dafür bitten wir um Vergebung. 
Wir werden die intensive Gemeinschaft vermissen, in die auch unsere Kinder hier vor Ort hineingewachsen sind, die uns in unserem Dienst und als Familie getragen und einfach viel Freude bereitet hat. Wir hoffen, auf die ein oder andere Weise weiterhin verbunden bleiben zu können. Fest steht: Willkommen in der Haidstr. 5B in 83607 Holzkirchen!
Wir sagen allen herzlichen Dank, die mit uns zusammengearbeitet haben und die mit uns dieses lange Stück Weg gemeinsam gegangen sind! Wir wünschen allen in der Kirchengemeinde Hemhofen viel Kraft für die Übergangszeit, dazu viel Mut die ohnehin nötigen Veränderungsprozesse - mit Profil und Konzentration - anzugehen. 
Behüt‘ Euch Gott und auf Wiedersehen! 
Ihre und Eure Ulrike und Matthias Lorentz

Herzliche Einladung zur Verabschiedung: 
*Samstag, 30. 1. von 10.00 – 18.00 Uhr im Franziskushaus: Möglichkeit zum persönlichen Verabschieden.
*Sonntag, 31. 1., 9.30 Uhr Gottesdienst in der Heilandskirche Hemhofen und 11.00 Uhr Gottesdienst im Franziskhaus, Röttenbach.
*Sonntag, 31. 1. 15.00 Uhr Festgottesdienst mit offizieller Verabschiedung in der Lohmühhalle in Röttenbach mit gleichzeitiger Online-Übertragung im Live-Stream. Den Link dazu finden Sie hier auf der Homepage. 
Bitte für alle Termine im Pfarramt anmelden!